Die „Extinction-Krise“, Transsubstantiation und Gebet um ein Wunder
(Übersetzung des untenstehenden englischsprachigen Artikels)

Thomas Moritz



Seit etwa zwanzig Jahren bildet die Krise unserer Zivilisation in ihren vielfältigen Aspekten einen zentralen Lebensinhalt von mir. Mehr und mehr erkannte ich in dieser Krise ein umfassendes Netz von miteinander verwobenen Problemen, das mit allen Aspekten unseres Lebens auf allen Ebenen verbunden ist, von der planetaren Ebene etwa mit der Klimakrise und dem geologischen Massenaussterben, über die Wachstumssucht eines schuldenbasierten Finanzsystems und wachsender sozialer Ungerechtigkeit, bis hin zur Erosion der Familie, der Tragödie massenhafter Abtreibung, psychologischen Auswirken und der Dekonstruktion der menschlichen Natur selbst (wie sich z.B. in den Bestrebungen der „Transhumanistischen Bewegung“ zeigt). Nicht vergessen werden sollte bei dieser Aufzählung die Krise der Kirche.

Zusammenfassend könnte man diese gesamte Problematik, in Anlehnung an die Bewegung „Extinction Rebellion“ als „Extinction-Krisei“ bezeichnen, denn eine „Kultur des Todes“ii verschlingt das Leben auf allen Ebenen durch ein System der Zerstörung, das Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato Si“iii „technokratisch-ökonomisches Paradigma“ nennt.

Dazu beizutragen, daß diese Zerstörung ein Ende nimmt, war und ist die oberste „weltliche“ Priorität in meinem Leben. Und viele Jahre lang habe ich sehr viel von meiner Zeit und Arbeitskraft unmittelbar in dieses Ziel gesteckt. Ich habe viele verschiedene Ansätze ausprobiert, mich an vielfältigen ökosozialen Projekten beteiligt, oder selbst welche organisiert. In den letzten Jahren habe ich mich auch aktivistisch eingesetzt, bei Bewegungen wie „Ende Gelände“, „System Change not Climate Change“, „oder „Extinction Rebellion“. Meine Bemühungen zielten dabei im Großen und Ganzen auf eine Art von Transformation und waren vor allem auf Ideen wie „Permakultur“, „Ökodörfer“ und die „Transition Town“ Bewegung gerichtet. Vor ein paar Monaten habe ich allerdings die allermeisten meiner bisherigen Aktivitäten auf Eis gelegt.

Stattdessen habe ich eine Gebetsaktion begonnen, die mich seither etwa dreimal die Woche auf Hauptplätze von Städten in meiner Region führt. Im vorliegenden Artikel stelle ich die Gedanken dar, die mich zu dieser Entscheidung geführt haben, und die seither aus diesem Gebet geflossen sind.

Nach wie vor halte ich Initiativen wie diejenigen, an denen ich mich früher beteiligte, aber auch verschiedenste andere, für wertvoll dafür, die dominante „Kultur des Todes“ zu überwinden, eine „Kultur des Lebens“ zu entfalten, und eine wirklich ökologische Zivilisation aufzubauen, die auf einer integralen Ökologie gründet. Allerdings glaube ich nicht mehr, daß zivilisatorische Transformation die Katastrophe abwenden könnte. Es scheint mir dazu einfach zu spät zu sein. Und wahrscheinlich wäre es überhaupt jenseits rein menschlicher Fähigkeiten, unabhängig von der verfügbaren Zeit.


Eine unmögliche Aufgabe

Ein sehr bezeichnendes Beispiel, das unsere mißliche Lage darstellt, ist das folgende Diagrammiv aus dem „Emissions Gap Report“ der UNEP vom Herbst 2018:

EGR2018_Grafikpng

Plus 1,5°C globale Erwärmung – die steilere der beiden Kurven – bedeutet beträchtlich weniger Leid und Zerstörung, als zwei Grad. Ich halte es nicht für legitim, sich für das „einfachere“ 2°C Ziel zu entscheiden, denn wer gibt uns das Recht, vermeidbares Leid zu akzeptieren? Plus 1,5°C bedeutet aber auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, kritische Kippunkte zu vermeiden, an welchen selbstverstärkende Rückkopplungen hin zu einem „Hothouse Earth“ einsetzten – was das Ende menschlicher Zivilisation bedeutete.

Der Reduktionspfad für 1,5°C sieht erschreckend steil aus, und die dabei angegebene 66%ige Wahrscheinlichkeit wirkt unverantwortlich riskant – riskanter als Russisches Roulette. Allerdings, eine höhere Wahrscheinlichkeit, nicht über dieses Ziel hinauszuschießen, würde eine noch radikalere Verringerung von Emissionen erfordern. Wie könnte das gehen?

Die offenkundige Lösung liegt darin, die Wirtschaft der reicheren Teile der Weltbevölkerung zu reduzierenv, denn ein großer Anteil dieser wirtschaftlichen Aktivitäten dient nicht der Stillung grundlegender Bedürfnisse. Die Beendigung dieser Aktivitäten würde unmittelbar einen großen Teil der Emissionen beenden – und gleichzeiig viele weitere Probleme lösen, oder vereinfachen - , und wäre damit eine entscheidende Veränderung. Aber wie könnte diese Reduzierung zeitgerecht, und ohne einen unkontrollierten und totalen Zusammenbruch der Zivilisation gelingen, widerspräche sie doch völlig dem wachstumsabhängigen Finanzsystem?

Oxfam Emissionspng


Die Aufgabe, die sich uns stellt, ist also: Radikaler Wandel, weltweit, gegen gesellschaftliche Trägheit und massive Interessen, ohne zu viel Chaos, und das alles innerhalb weniger Jahre, praktisch sofort, instantan. Diese Erkenntnis führte mich zu der ernüchternden Folgerung, daß diese Aufgabe – so notwendig sie zur Abwendung der Katastrophe wäre – allerhöchstwahrscheinlich jenseits menschlicher Fähigkeiten liegt, zumindest aus der Sicht einer modernen säkularisierten Geisteshaltung.


Ein Wunder

Die Katastrophe abzuwenden, würde also etwas völlig außerhalb der Sicht dieser Geisteshaltung seiendes erfordern, nämlich ein wahrhaftiges Wunder. Wir sind es gewohnt zu sagen, „das wäre ein Wunder“, wenn wir ausdrücken wollen, daß etwas ganz bestimmt nicht stattfinden wird. Aber ich glaube an Wunder, und damit nehme ich diese Konstellation sehr ernst und frage danach, wenn es also ein Wunder erfordert, welche Art von Wunder könnte das dann sein?

Ich möchte kein Wunder konstruieren, machen. Ich will nicht Gott prüfen, und es geht hier auch nicht um Magie. In den nachfolgenden Zeilen führe ich lediglich aus, was ich zur möglichen Gestalt und Richtung dieses Wunders wahrgenommen und gefolgert habe. Die von mir begonnene Gebetsaktion setze ich als Maßnahme aufgrund dieser Wahrnehmungen und Folgerungen.

Dieses Wunder stellt sich für mich dar als Transsubstantiation – die wesenshafte Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi. Und infolgedessen die wesenshaftevi Verwandlung der Zivilisation als Ganzes. Dieses Wunder verwendet, was bereits da ist, und damit muß nichts neues gemacht werden – was Zeit erfordern würde, die wir nicht haben. Dieses Wunder ist bereits in der Welt und findet bei jeder Heiligen Messe instantan statt, wenn – St.Thomas von Aquin zufolge – der Priester die letzte Silbe der Worte „HOC EST ENIM CORPUS MEUM“ ausspricht. Da Materie für die Heilige Messe erforderlich ist, folgt Transsubstantiation den Pfaden, die die „Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit“ zum Altar nehmen, und strahlt nach außen in die Welt. Alles, das von ihr berührt wird, wandelt sich seinem Wesen nach von einem Objekt, einer Ware, hin zu einer Person, hin zum Leib Christi.

Unsere Aufgabe dabei ist, daß wir uns vom Sakrament berühren lassen, und wir selbst zu dem werden, was wir essen. Die Aufgabe ist es, daß wir uns der Gnade aussetzen, die durch die Eucharistie zu uns fließt und den Organismus der Kirche, der der Mystische Leib Christi ist, nährt, von der Sünde reinigt und heilt. Unsere Aufgabe ist zuzulassen, daß sakramentale Ordnung vollumfänglich ihr Gnadenwerk an uns verrichtet und wir, anstatt dieses zu behindern, so tugendhaft, als wir nur können, dabei dienen. Mit den Schlußworten der Heiligen Messe „Ite, missa est!“ sind wir in die Welt gesandt, um die zeitlichen Angelegenheiten zu ordnen in Hinordnung auf die geistlichen Angelegenheiten, auf Gott. Wir sind gesandt, um mitzuwirken an der Ausbreitung eucharistischer Realität, an der Ausbreitung des Reiches Gottes, dem Aufbau des Reiches von Frieden und Gerechtigkeit.

Wenn Menschen konsequent den Glauben und die sakramentale Ordnung leben, dann wächst in und zwischen ihnen auch die Fähigkeit, genau das zu tun. Mögen es die kleinen und verborgenen Wege einer einzelnen Person mit sehr wenigen Ressourcen sein, oder einige Familien, die sich gegenseitig helfen, oder gewaltige Netzwerke von Gemeinschaften, die sakramentale Kultur schaffen und die Katholische Soziallehre auf Zivilisationsebene verwirklichen.


Aber ganz offenkundig berührt uns die Eucharistie nicht in einer Tiefe, die notwendig wäre, die Katastrophe abzuwenden. Offenkundig ist die Eucharistie in der Praxis nicht „Quelle und Höhepunkt“vii des Lebens der Kirche, wenn wir darunter auch – und warum sollen wir es nicht tun – das wirtschaftliche Leben des gesamten mystischen Leibes Christi verstehen, im Zusammenwirken von Klerus, Ordensleuten und Laien.

Wir sehen die mittelalterlichen Kathedralen als ehrfurchtgebietende Zeugen der Wandlung der Welt. Doch die Welt scheint resistent geworden zu sein gegenüber der Transsubstantiation. Doch wenn die Wandlung nicht mehr glaubwürdig ist, wie ist es dann noch möglich, katholisch zu bleibenviii?

Für mich liegt hierin ein wertvoller Hinweis darauf, daß die Krise der Kirche und die ökologische Krise zutiefst miteinander verbunden sind, genau so wie die Lösung für beide Krisen.

Vom Zeitalter der Kathedralen vergingen viele Jahrhunderte, bis wir in einer Situation angelangten, in der es sehr, sehr schwierig geworden ist, eucharistische Wirklichkeit wahrzunehmen und zu erfahren, und überhaupt irgendwas außerhalb der fast perfekten Isolation und Assimilation des technokratischen Kapitalismus. Fast alles um uns herum (und auch in uns) sagt uns, daß Transubstatiation – vor allem Wandlung der Welt - nichts als eine naive Träumerei ist.

Vermutlich wollen wir oft auch gar nicht die eucharistische Wirklichkeit sehen und hören, weil wir spüren, daß damit sehr radikale Veränderungen verbunden wären. Um weiterhin in unserem Alltagsleben funktionieren zu können, verschließen wir uns, werden wir verstockt. Bei meinem Gebet ist mir an mir selbst aufgefallen, daß ich die meiste Zeit in gewisser Weise in einem Zustand der Verstocktheit verharre, und manchmal spüre ich fast undurchdringliche Mauern – in mir und um mich herum. Ich bete den Rosenkranz und gehe zur Messe, aber meistens empfinde ich nichts, weder von der Realpräsenz Christi, noch von der Katastrophe und dem Leiden, von dem ich verstandesmäßig ja weiß, daß sie stattfinden.

Wir kommen also nicht wirklich in Berührung mit der Realpräsenz, und finden uns wieder in geistlichem Hunger, sozusagen vor vollen Tellern. Der Gedanke an die Warnung des Apostels Paulus an die Korinther liegt nahe. Die Kirchenkrise und die Extinction-Krise gehen Hand in Hand.


Die Spiritualität der Extinction-Krise

Gleichzeitig verändert die Extinction-Krise allerdings tiefgreifend die Situation. Nicht alleine, daß sie die utopistischen Geschichten der dominanten technokratisch-kapitalistischen Kultur sehr offenkundig widerlegt (dafür versuchen die dystopischen Spielarten dieser Geschichten, uns mehr und mehr gefügig zu machen). Es liegt auch eine ganz bestimmte Spiritualität im geistlichen und zeitlichen Grauen, das mit dieser Krise verbunden ist. Dieses Grauen kann unseren Glauben auslöschen und uns verstummen lassen. Es kann aber auch zu sehr starken spirituellen Erfahrungen führen. Vielleicht liegt hier auch der zentrale Punkt, wie wir an dem Wunder, für das ich bete, mitwirken können, zusammen damit, daß wir die Sakramente und die Lehre der Kirche leben und uns in Tugendhaftigkeit üben: Wir können unseren Mut zusammennehmen, oder zumindest um Mut beten, dafür, diese Krise wirklich anzuschauen, und ihre Wahrheit zu erforschen. Nicht nur im Bereich des rationalen Wissens, sondern auch besonders auf einer tiefgehenden emotionalen und körperlichen Ebene. Wir können uns in Situationen bringen, in denen wir die Krise spüren, uns mit dem Leid verbinden, und auch unseren eigenen existentiellen Ängsten begegnen – was wird aus mir werden, aus meinen Liebsten, aus allem, was mir lieb ist? Wir können uns also Situationen aussetzen, die das Potential haben, uns wirklich richtig depressiv zu machen. Denn „ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst Du, Gott, nicht verschmähen.“ix Ich denke, es ist weise, sich in solche Situationen betend zu begeben. An dieser Stelle ein paar Ideen für Übungen, die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Gewiß – ein solcher spiritueller Weg ist gefährlich, aber jetzt ist alles gefährlich, und man kann ja vom Einfachen zum Schwierigen gehen:

  • An einem heißen Sommertag durch Parkplatzwüsten in Einkaufslandschaften gehen. An viel befahrenen Ausfallstraßen entlang gehen. In Biomülltonnen von Supermärkten hineinschauen, und sich vorstellen, was alles geschehen mußte, um das Essen darin zu produzieren, und an diesen Platz zu befördern, nur um sie wegzuwerfen. Die Paläste des Finanzsektors aus Glas, Stahl und Beton betrachten, oder schwarze Über-SUVs, oder Pick-Ups, und zu spüren versuchen, welche Botschaft sie ausstrahlen und was sie uns wirklich sagen wollen.

  • Ernüchternde wissenschaftliche Studien lesen wie jene zum „Hothouse Earth“x, den IPBES Report über die drohende Gefahr des Aussterbens von 1 Mio Artenxi oder die Studie “Deep adaptation: A Map for Navigating Climate Tragedy”xii von Jem Bendell. Wissenschaftlich gut fundierte Dokumentationen, oder Vorträge anschauen, die uns „alle Hoffnung fahren lassen“ (im Sinne der Hoffnung, die die Welt geben kann). Einen Rosenkranz, eine Ikone, ein Kreuz, eine Wundertätige Medaille bei sich haben.

  • An ökologischen Exerzitien teilnehmen, wo wir die Wahrheit der Situation erkunden, und in Gemeinschaft beten.xiii

  • Einen Gegenstand auswählen, der für einen die Extinction-Krise gut zum Ausdruck bringt. Mit diesem Gegenstand in eine Kirche gehen, und ihn in die Kontemplation miteinbeziehen. Die Jungfrau Maria fragen, was sie darüber denkt, und was sie uns zu tun aufträgt.

  • An Demonstrationen teilnehmen, wie den „Fridays for Future“. Vielleicht liegt einem nicht der Stil, vielleicht mag man Greta Thunberg nicht. Vielleicht teilt man viele der dort zum Ausdruck gebrachten Einstellungen nicht. Aber das ist nicht, worum es geht. Worum es geht ist, wahrzunehmen, was hier auch auf einer emotionalen und spirituellen Ebene vor sich geht, und mitfühlend wahrzunehmen, was Dein Nächster hier benötigt. Auf eine intensivere Art gilt das auch für Aktionen zivilen Ungehorsams, wie z.B. bei „Extinction Rebellion“xiv, oder „Ende Gelände“xv.

Den Mut zusammenzunehmen und diesen gefährlichen Weg zu gehen, wäre ein Akt der Güte, der Caritas. Um etwas wirklich karitatives zu tun, müssen wir zuerst den Schrei der Leidenden mit unserem Herzen hören. Diesen Weg zu gehen, wäre auch ein Akt der Buße, denn die Zerstörung unserer Welt ist eine Frucht der Sünde und sie erzeugt selbst Sünde. Indem wir die Wahrheit suchen, erforschen wir unser eigenes Gewissen. In einem bestimmten Ausmaß sind wir ja auch immer selbst an dieser Zerstörung beteiligt mit unserer individuellen Sünde, die wir zu bereuen und zu bekennen haben.

Üblicherweise, nach der Weisheit unserer Zivilisation, würden wir so etwas nicht tun, und werden wir beraten, so etwas zu vermeiden, genau aus dem Grund, nicht depressiv zu werden. Doch rufen wir uns in Erinnerung, daß Jesus sein Herz dem Leid öffnet, ohne professionelle Distanz. Bevor er den Jüngling von Naïn erweckt, „hatte er Mitleid mit [der Witwe] und sagte zu ihr: Weine nicht!“xvi Er berührt die Bahre, und verbindet sich mit dem Grauen des Jünglings. Als er Lazarus auferweckt, weint erxvii. Und in Getsemani ist er nicht geflohen, und hat er auch nicht seine existentielle Angst verdrängt, sondern seine Seele war „zu Tode betrübt“xviii, er schwitzte Blut und ertrug seine Angst im Gebet. Er, der nicht sündigte, nahm alle Sünde auf sich, und er ruft uns, unser Kreuz aufzunehmen und ihm nachzufolgen.

Wenn wir wirklich unser Herz der sich entfaltenden Katastrophe öffneten, dann würden wir unter rein säkularen Umständen lediglich in ein tiefes schwarzes Loch der Ökodepression fallen und zusammenbrechen. Aber wenn wir dabei dieses Geschehen vor Gott bringen, und unsere Ökodepression mit der Passion Christi verbinden, dann reißt der Gnadenstrom, der aus Seinen Wunden fließt, unseren Individualismus nicht einfach ins Nichts hinab, sondern wandelt diesen um in Sein Königtum. Sein Heiliger Geist befähigt uns dann, zu bereuen und umzukehren.

Ich vermute, daß unsere Käfige der Verstocktheit dem entsprechen, was wir verdrängen und unterdrücken müssen, um „weitermachen“ zu können. Je verzweifelter und sichtbarer die Krise wird, umso verstockter werden wir, bis wir brechen. Diese Verstocktheit bildet ein psychisches Objekt, das uns von Gott, der Schöpfung, unserem Nächsten und uns selbst trennt. Transsubstantiation aber wandelt auch dieses Objekt in den Leib Christi. Wenn wir die Gnade erfahren, daß die Extinction-Krise uns wirklich auf eine Art und Weise berührt, daß wir sie irgendwie mit Gott verbinden, dann schreien wir zu Gott, dann rufen wir zu Gott aus einer Tiefe unserer Seele, die wir unter „normalen“ Umständen kaum erreichen könnten.


Dann sollen wir erkennen, daß Er der Herr ist, wenn er seine Herrlichkeit an uns erweist.xix Er ist der Herr, der Heilige Israelsxx, „der uns und unsere Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat“xxi.


Gott beantwortet unser Schreien mit seiner heiligmachenden Gnade, und beruft Menschen zur Heiligkeit. Die Gegenwart heiligmäßiger Menschen befördert wiederum heiligmachende Dynamiken in anderen, und damit Re-Formation. Des Grauens angesichtig zu werden könnte also die Kirche, die derzeit mehr oder weniger im „Stand by Modus“ läuft, aktivieren, in einer Art „spiritueller Kettenreaktion“, die unsere Gefängnisse der Verstocktheit einfach durchschlägt und hinwegbläst.

Ein massives Bekehrungsereignis. Es würde die Kirche, vor allem die gläubigen Laien, auch im Bereich der zeitlichen Belange zu einem trinitarischen, mit Allen guten Willens kooperierendem Netzwerk von die Situation entscheidender Stärke formieren.


Zeitliche Effekte

Was würde dies in zeitlicher Hinsicht bewirken? Es würde den isolierten, kommodifizierten Individualismus des „Homo Oeconomicus“ von uns wegwischen. Von der Wesenswandlung erfaßt löste sich der Warencharakter an uns Menschen auf und würden wir uns reintegrieren als Glieder des Leibes.

Auch die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit, die Gesamtheit der Schöpfung hörten auf, bloße warenförmige Verfügungsmasse für die profitorientierte Ausbeutung zu sein, und verblieben als reine Akzidenzien, wären in gewisser Weise wesensmäßig Leib Christi. Damit verbunden würden jene Menschen, die sich in diese Dynamik hineinziehen lassen, ihre Kräfte radikal vom technokratischen Kapitalismus ab- und Christus zuwenden. Anstelle einer antikapitalistischen Revolution, oder Rebellion, gäbe es lediglich Beendigung, Diskontinuierung, und die Kapazität, Frieden und Gerechtigkeit in zeitlichen Angelegenheiten zu erwirken.

Dieser Text ist also keine Aufforderung an den Leser, den technokratischen Kapitalismus zu stürzen, sondern ich trage meine Bitte vor Gott. Und wenn Gott antwortet und diese Bitte erhört, dann werden es nicht „wir, das Volk“ sein, sondern Christus durch seinen mystischen Leib, der, wie Jeremia (1:10), eingesetzt ist „aus[zu]reißen und nieder[zu]reißen, [zu] vernichten und ein[zu]reißen, auf[zu]bauen und ein[zu]pflanzen.“

In der gleichen, integralen Bewegung würde dieses Wunder, soweit ich es jetzt erfassen kann, drei Dinge vollbringen:

  • Es würde unnötige wirtschaftliche Aktivitäten beenden. Denn wenn die Substanz dieser Aktivitäten, und aller Aktivitäten, aus denen sie bestehen und auf denen sie beruhen, sich wandeln in den Leib Christi, dann fielen all ihre internen Widersprüche – jetzt zusammengehalten durch finanziellen, juridischen, politischen Zwang – auseinander, gelöst durch den Frieden des Herrn. Ein großer Teil des menschlichen ökologischen Fußabdrucks würde mit ihnen einfach verschwinden. Doch auch das Finanzsystem, der Blutkreislauf unserer Wirtschaft, gründend auf Schulden und Wachstum, würde enden.

  • Zweitens würden alle notwendigen wirtschaftlichen Aktivitäten erst einmal ungefähr auf jene Weise fortgesetzt werden, in der sie auch jetzt durchgeführt werden. Lediglich ohne das Finanzsystem, sondern auf Grundlage von Caritas, der gütigen Liebe. Das weltweite eucharistische Netz der Katholischen Kirche könnte gerade so viel ordnende Kraft beitragen, um – zusammen mit anderen guten Willens – ein ausreichendes Maß an globaler Ordnung aufrecht zu erhalten, um existentielle industriegesellschaftliche Funktionen so lange als nötig weiter zu betreiben, bis eine wirklich ökologische Zivilisation diese ablösen bzw. diese in sich aufnehmen kann.

  • Und drittens nimmt durch die Eucharistie der transformative Prozeß des immerwährenden Wandels, der die Welt ist, einen anderen Kurs. Einerseits würde die Diskontinuierung unnötiger wirtschaftlicher Aktivitäten die in ihnen bislang gebundenen Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit, und unsere Arbeitskraft selbst, freisetzen. Sie alle stünden dann bereit, dem „Frieden des Herrn“ zu folgen, und seine „Wege und Pfade“ zu erlernen, und so eine ökologische Zivilisation aufzubauen und heranwachsen zu lassen. Andererseits würden sich auch mit der Zeit die fortgeführten industriegesellschaftlichen Prozesse nach und nach verwandeln, und sich immer mehr und besser in die sich entfaltende ökologische Zivilisation einfügen. Ganz ohne Hast – dieser Prozeß könnte sich in manchen Aspekten über Jahre hinweg erstrecken, in anderen über Jahrzehnte, oder Jahrhunderte.

Zusammengefaßt geht es also um einen friedlichen Kollaps des gegenwärtigen Zivilisationszustandes ohne humanitäre und ökologische Katastrophe. Dies mag als extrem erscheinen, doch ist fraglich, ob die Art und Weise, wie unsere Zivilisation derzeit funktioniert, noch über längere Zeit fortgeführt werden kann. Was ich hier beschreibe würde lediglich dieses „Business as Usual“ früher beenden (und damit viel an weiterer Zerstörung verhindern), und der Kollaps wäre dabei auch nicht so tiefgreifend, wie es sich sozusagen „voreingestellt“ abzuzeichnen erscheint. Gleichzeitig bietet sich dabei auch eine sehr anziehende Perspektive: Es erscheint als möglich, daß sich eine solcherart „transubstantiierte“ Zivilisation dergestalt organisieren könnte, daß Milliarden von Menschen an der großen Aufgabe teilhaben, beschädigte und zerstörte Ökosysteme wiederherzustellen – von semiariden Erosionsgebieten im chinesischen Lößplateau und verwüsteten Flächen im Amazonas bis zu den Parkplatzwucherungen europäischer Städte. Dies würde innerhalb einiger Jahrzehnte der Atmosphäre überschüssigen Kohlenstoff durch Humus- und Vegetationsaufbau entziehen, zahllose Arten vor dem Aussterben bewahren und Lebensraum, Auskommen und echten Wohlstand und personale Würde für Alle schaffen – und „alle Dinge in Christus erneuern“ (St. Pius X.)


Dies wäre eine wirklich ökologische, sakramentale Zivilisation in Harmonie mit dem Kosmos, weil diese Zivilisation Christus nachfolgte, durch den der Kosmos geschaffen ist. Der „Stoffwechsel“ der Kirche, des mystischen Leibes Christi wäre dann wahrhaftig eine Ökonomie, die die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt hat.

Das alles muß im Kern nicht neu geschaffen, muß und kann nicht aus dem Boden gestampft werden, sondern ist schon – oder immer noch – da, ist des Herrn, und kann von Gott jederzeit spontan instantan erneuert werden – Transsubstantiation.


Und noch ein letzter Gedanke: Möglicherweise kann all das schon sehr bald geschehen, gerade noch rechtzeitig, bevor es zu spät ist. Denn möglicherweise ist alles, was für diesen grundlegenden Wandel notwendig ist, bereits da, und es gibt nichts, auf das es noch zu warten gilt:

  • Die Vielzahl der von unserer Zivilisation geschaffenen Gegenstände und auch unserer Fertigkeiten und Talente. Sie sind das Baumaterial einer ökologischen Zivilisation, das es neu zu betrachten und kreativ neu zu verwenden gilt – gemäß eucharistischer Wege und Pfadexxii.

  • Der psychosoziale Fundus der Verstocktheit, aber auch der Verzweiflung, Resignation, Trauer, Sehnsucht und Wut, ist wie Zunder, der auf einen Funken pfingstlerischen Feuers vom Himmel wartet.

  • Und natürlich die Eucharistie, und alles was aus ihr, den anderen Sakramenten und der Lehre der Kirche gewachsen ist. Dies ist der Schlüssel zu einer solch wundersamen Rettung im Unterschied zu den Zivilisationen, die in der Vergangenheit untergegangen sind.xxiii

Möglicherweise ist es nicht erforderlich, das Alte als sichere Hülle zu erhalten, in der das Neue sproßen kann, und es ist Zeit, für dieses Alte, zu enden – und Zeit für uns, diese Zivilisation in ihrer Gesamtheit als Opfergabe auf den Altar zu legen, zu Gott zu beten und den Heiligen Geist darauf herabzurufen: „Komm, Heiligmacher, allmächtiger ewiger Gott, und segne dieses Opfer, das Deinem heiligen Namen bereitet ist.“xxiv


Praktische Schlußfolgerungen – Gebet für das Klima

Diese großartige Vision eines Wunders, die mir zuteil geworden ist, hat meine Wahrnehmung davon, was zu tun ich gerufen bin, stark vereinfacht. Es ist etwas sehr einfaches, was Alle tun können – nämlich um ein Wunder zu beten. Das war eine sehr erleichternde und entspannende Einsicht. Aber was bedeutet das für mich ganz praktisch?

Meine Ressourcen und Kapazitäten sind sehr begrenzt und deshalb muß ich sehr sorgfältig entscheiden, wie ich sie einsetze. Seitdem ich das öffentliche Gebet im April begonnen habe, ist das Muster einer integrierten Aktion bestehend aus zwei, einander ergänzenden Dimensionen aufgetaucht:

Erstens die Gebetsaktion selbst, die darauf zielt, Verstocktheit (vor allem meine eigene) zu durchdringen. Ich suchte nach der kleinstmöglichen Form, die nichtsdestoweniger alles nötige beinhaltet. Was ich für mich gefunden habe, ist, den Rosenkranz in der Öffentlichkeit zu beten. Ich bete still mit einem Schild „Gebet für das Klima – Gebet um Rettung vor Klimakatastrophe und Ökosystemkollaps, um Umkehr und Vergebung“. Wenn mich Menschen ansprechen, unterbreche ich mein Gebet, höre zu und spreche mit ihnen. Ich bete ungefähr dreimal pro Woche. Freitags um 16:00 Uhr ist mittlerweile ein kleines Gebetsnetz dabei.


New sign 1png


Es gibt einige Aspekte, die ich in dieser Aktion sehe:

  • Ich kann sie ganz alleine durchführen, ohne viel an Organisation und Ressourcen, aber die Aktion kann sich leicht ausweiten, falls sich mehr Menschen beteiligen. Sie könnte sich den reichen Schatz an katholischen Frömmigkeitsformen zunutze machen, wie z.B. die Bittprozession mit Bittmesse.

  • Die Aktion ist öffentlich und damit auch politisch, und verweist damit darauf, die zeitllichen Angelegenheiten zu ordnen. Aber doch hingeordnet auf die geistlichen Angelegenheiten, denn es ist in allererster Linie Gebet. Das öffentliche Gebet bringt also das Geistliche und das Zeitliche zusammen.

  • Über das Gebetsnetz weist die Aktion gleichzeitig den Aspekt der Verborgenheit und der öffentlichen Zeugenschaft auf. Auch ist sie gleichermaßen katholisch und offen für die Kooperation mit Menschen guten Willens gleichwelcher Konfession, Religion, oder spiritueller Richtung.

  • Der Rosenkranz verweist auf die sakramentale Ordnung, deren Frucht dieses Gebet ist. Das Rosenkranzgebet ist auch nicht individualistisch, und damit ein gutes Gegenmittel zum grassierenden Hyperindividualismus, der im Zentrum unseres Problems steht. Seine sehr starke Struktur bietet etwas, das wir vielleicht nötig haben werden, wenn wir die gegenwärtigen Quellen von Ordnung ersetzen müssen.

  • Insbesondere mit dem Fatima-Gebet beinhaltet der Rosenkranz auch den Aspekt der Buße.

Die zweite Dimension – die für mich mindestens genauso wichtig ist – hat ihren Fokus auf meine Familie. Da ich fast meine ganze aktivistische Kraft in die Gebetsaktion hineingelegt habe, ist viel Aufmerksamkeit und Energie freigeworden, die bis dahin in computerarbeitslastigen Projekten gebunden waren. Jetzt befördern diese Aufmerksamkeit und Energie das Wachstum von sakramentaler Ordnung und Tugend und die Verwirklichung der Katholischen Soziallehre in der sehr kleinen Gesellschaft meiner Frau, unseres kleinen Sohnes und mir – und von da aus auch darüber hinaus.

Beide Dimensionen – die öffentliche Gebetsaktion und ihre belebende Wirkung auf unsere Familie und unsere Netze – wirken aufeinander, und erzeugen hoffentlich eine Dynamik, die die Möglichkeiten dieser Initiative auszuweiten vermag.

Möge Gott mit uns sein.


---------

i Extinction = englisch für „Aussterben“

ii Papst Johannes Paul II., Enzyklika Centesimus Annus (1991), 39

iii Papst Franziskus, Enzyklika Laudato Si (2015), 53

iv UNEP Emissions Gap Report 2018, S. XVIII https://www.unenvironment.org/resources/emissions-gap-report-2018

v Siehe Diagramm S. 4 https://www-cdn.oxfam.org/s3fs-public/file_attachments/mb-extreme-carbon-inequality-021215-en.pdf

vi „Die im Blick stehende Wandlung bei der Eucharistie soll eine wirkliche Wandlung des Wesens sein und betrifft nicht die sinnlich wahrnehmbaren Akzidentien“. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Transsubstantiation

vii Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Sacrosanctum Concilium (1963), 10

viii Thomas Ruster, Wandlung, ein Traktat über Eucharistie und Ökonomie (2009), S.9

ix Psalm 51:19

x https://www.pnas.org/content/pnas/115/33/8252.full.pdf

xi https://www.nature.com/articles/d41586-019-01448-4 , https://www.ipbes.net/assessment-reports

xii https://www.lifeworth.com/deepadaptation.pdf

xiii Zum Beispiel das Format “Laudato Si Retreat”, das von der “Global Catholic Climate Movement” entwickelt worden ist https://catholicclimatemovement.global/retreats

xiv www.rebellion.earth

xv www.ende-gelaende.org

xvi Lukas 7:13

xvii Johannes 11:35

xviii Matthäus 26:38

xix Siehe Exodus 14:18

xx Siehe Jesaja 43:14

xxi Josua 24:17

xxii Das gilt gleichermaßen für die herkömmlichen industriellen Güter, Infrastrukturen und das „Humankapital“, wie für die Früchte der immer noch relativ kleinen alternativen, auf Transormation gerichteten, Initiativen wie etwa die Permakulturbewegung.

xxiii Im Unterschied sogar zum westlichen Römischen Reich, das ja erst in seinen letzten Jahrhunderten christlich wurde, während das – verschüttete – Fundament unserer Zivilisation christlich ist.

xxiv Gebet “Veni, sanctificator omnipotens æterne Deus: et bene + dic hoc sacrificium, tuo sancto nomini præparatum” aus der außerordentlichen Form des Römischen Ritus.





Original erschienen auf  http://www.zitlaudatosi.cz/index.php/texty/the-extinction-crisis-transubstantiation-and-praying-for-a-miracle/

Thomas Moritz:
The Extinction Crisis, Transubstantiation and Praying for a Miracle


Since about 20 years, I have been deeply concerned with the crisis of our civilsation in its multiple aspects. Over time I came to see this crisis as a comprehensive web of interacting problems, encompassing all aspects of our life, all levels from the planetary level with the climate crisis and the ongoing geological mass extinction, to the growth addiction of a debt-laden financial system and growing social injustice, down to the erosion of the family, the tragedy of mass abortion, psychological health issues and the deconstruction of human nature itself (as put forward, for example, by the philisophical movement known as "transhumanism"). And, not to forget, the crisis of the Church.

A "culture of death" (i) devours life at every level through a system of destruction that pope Francis calls "techno-economic paradigm" in his encyclical "Laudato Si" (ii).

Contributing to stopping this destruction was and is the top priority in my life, and for many years I spent a lot of time and energy for this end. I tried a lot of different things, I did projects and got involved in activism. My effort mostly aimed at some kind of transformation and was focussed on ideas like permaculture, ecovillages and the transition town movement.

A few months ago however, I stopped nearly all of this, and put all my effort into a prayer action, that takes me to the streets of my region three times a week. In this article, I present the ideas that brought me to this decision, and since then have flown out of the prayer.

I still find the kind of initiatives I participated in precious, as well as many other efforts, in order to overcome the dominant "culture of death", to unfold a "culture of life" and to build an ecological civilisation, based on integral ecology. However, I no longer believe, that transformation can avert catastrophe. I guess, it is just too late (and probably altogether beyond mere human capabilities, regardless of availabe time).



An impossible task


A highly telling example illustrating our predicament is this diagram (iii) from the 2018 UNEP "Emissions Gap Report":

EGR2018_Grafikpng

Plus 1, 5 degrees celsius of global warming - the steeper of the two curves - means less suffering and destruction than 2 degrees. I don't see legitimacy in opting for the "easier" target of 2 degrees, because who are we to accept avoidable suffering? Plus 1, 5 degrees celsius also means much better chances to avoid critical tipping points towards self-enforcing feedback loops leading to a "hothouse earth" (which would be the end of human civilisation).

Alarmingly, the reduction path for the 1, 5 degrees target looks dauntingly steep. And its 66% probability seems to be irresponsibly risky - riskier than Russian Roulette. However, a higher probability of not exceeding the target would need even more radical reduction. How could this be possible?

The obvious solution is to degrow the economy of the richer (iv) parts of the world population, because a very large part of those economical activities is not about essential needs. The cessation of those activities would immediately end a big part of emissions, and thus be quite a decisive change. But how could this reduction be accomplished in time, and without uncontrolled and total collapse of civilisation, as it runs counter the growth dependent financial system?

Oxfam Emissionspng


So the task at hand is actually: radical change, globally, against societal inertia and vested interests, without too much chaos, and all of this within very few years, practically instantaneously. I came to the sobering conclusion, that this task - necessary to avert catastrophe - is very probably beyond human capabilities as seen from a modern, secularised mindset.



A miracle


It would take something completely out the view of this mindset - it would take a true miracle. We are accustomed to say "it would be a miracle" when we want to express, that something just won't happen. But I do believe in miracles, so I take this constellation seriously, and ask, if it takes a miracle - what kind of miracle would this be then? I don't want to construct, to fabricate a miracle, I don't want to test God. I'm not into magic. The following passages are just about what I have perceived as the possible direction and shape of this miracle. The prayer action I started is my conclusion of this perception:


The miracle, as I see it, is transubstantiation, the substantial (v) change of bread and wine into body and blood of Christ - and through this, the substantial change of civilisation as a whole, the change of its very being. This miracle uses, what is already there, so nothing new has to be made - which would take time, while we have no time. This miracle is already in the world and takes place at every Holy Mass instantaneously, when - according to St. Thomas Aquinas - the priest speaks, in persona christi, the last syllable of the words HOC EST ENIM CORPUS MEUM.


As matter is necessary for Holy Mass, transubstantiation follows the paths the fruits of the earth and of human labour take to the altar, radiating outwards. Everything touched by it changes from being an object or commodity to being personal - substantially being body of Christ itself.

Our task is to let ourselves being touched by the sacrament, and let ourselves become what we eat. The task is to expose ourselves to the grace that flows through the eucharist and nourishes the organism which is the Church as the mystical body of Christ, cleanses it of sin, and heals it. The task is to allow sacrametal order to do its full work of grace on us, without us obstructing but serving as virtuously as we can.

With the words "Ite, missa est" we are sent into the world to order the temporal issues towards the spiritual, towards God. We are sent to spread eucharistic reality, the kingdom of God, the kingdom of peace and justice. People consequently living the faith, living sacramental order, grow the capability to do just this. Might it be in the small and hidden ways of a single person with very few ressources, might it be a few families helping each other, or huge networks of communities, creating sacramental culture and fulfilling Catholic social teaching on a civilisational level.


But obviously we are not touched by the eucharist to a degree necessary to avert catastrophe. Obviously, the eucharist is de facto not "font and summit of the life of the church" (vi) in the sense of including the economical life of the whole mystical body of Christ - clergy, religious, laity.

We see the medieval cathedrals as awe-inspiring witnesses of transsubstantiation of the world. Yet the world seems to have become resistant against its transsubstantiation. But if consecration is not credible anymore, how is it possible to keep the Catholic faith? (vii)

For me, herein lies a valuable hint, that the crisis of the church and the ecological crisis are deeply interconnected - as well as the solution to both.

From the age of cathedrals it took many centuries until we arrived at a situation, where it has become very hard to perceive and really experience the eucharistic reality, and generally: anything outside of the nearly perfect isolation and assimilation of technocratic capitalism. Nearly everything around (and within) us tells us, that transsubstantiation, especially of the world, is a silly idea.


I guess, we often also don't want to see and hear eucharistic reality, sensing the radical change coming with this and so we block it, in order to keep functioning in our everyday life. We are contumacious. Through my prayer I came to realise, that most of the time I'm in some state of obdurateness, and I sometimes feel a nearly impenetrable wall. I just pray the Rosary, and go to Mass, but no realisation - neither of Christ, nor of the catastrophe and the suffering I know that is going on.

So, we don't get in touch with eucharistic reality, real presence, and end up at spiritual starvation. The crisis of the church and the „extinction crisis“ come together.



The spirituality of the extinction crisis


However, the extinction crisis also profoundly changes the situation. Not only it refutes the utopist tales of the dominant techno-capitalist culture very obviously (albeit in the process, dystopian tales try to menace us more and more into amenability). There is also a distinct spirituality in the spiritual and temporal horror that comes with this crisis. This horror can extinguish our faith and silence us. But it can also lead to very strong spiritual experience.

Maybe this is the main point of how we can participate in the miracle I pray for, together with living the sacraments and the teaching of the church, together with cultivating virtue: We can muster our courage, or at least pray for courage to confront the crisis and seek the truth of it - not only as rational knowledge, but also on a deep emotional, bodily level. We can bring ourselves into situations, where we can deeply feel the crisis, compassionately connect with the suffering and also face our own existential fears: what will become of me, of the people dearest to me, what will become of all, that is dear to me?

We can expose ourselves to situations, that have the potential to make us really, really depressed, because "a broken and contrite heart, O God, you will not despise“ (viii). I guess, it is wise to go into such situations praying.

Here I list a few ideas for exercises, the possibilities are virtually limitless. For sure, this is dangerous ground, but now everything is dangerous, and you can always go from easy to hard:

  • On a hot summer day, walk through parking space deserts in shopping landscapes, walk along big streets with a lot of traffic. Sneak into food waste containers of super markets, and try to imagine, what had to happen in order to produce all this food, and to transport it to this place, only to be thrown away. Observe the steel, glass and concrete palaces of the financial sector, or some big black uber-SUVs, and try to feel, what message they exude and what they really want to tell you.

  • Read sobering scientific reports like the study “Trajectories of the Earth System in the Anthropocene” also known as "Hothouse Earth" (ix), the IPBES report about the looming threat of one million species going extinct (x), or the study “Deep adaptation: A Map for Navigating Climate Tragedy” (xi) by Jem Bendell. Watch scientifically sound documentaries or lectures, that let you "abandon all hope"- meaning the hope, the world can give. Have a rosary, a cross, an icon, or a miraculous medal with you.

  • Take part in ecological religious exercises, where you seek the truth of the situation and pray in community (xii).

  • Take a picture or an item that expresses the extinction crisis for you, go to a church and include it in your contemplation. Ask the Virgin Mary, what she thinks about this, and what she urges you to do.

  • Take part in manifestations like "Fridays for Future". Maybe you don't especially like the style, maybe you don't like Greta Thunberg, or you don't share some of the opinions expressed there. But that is not the point. The point is: try to perceive, what is going on there, also on an emotional and spiritual level. Try to compassionately perceive, what your neighbour needs. On a more intense level, the same applies to civil disobedience actions, such as "Extinction Rebellion" (xiii) or "Ende Gelände” (xiv)


This would be an act of charity: in order to do something really charitable, first we have to hear the cry of the suffering with our heart. And also it would be an act of penance: the destruction of our world is a fruit of sin, and it produces sin. By seeking the truth, we explore our conscience. To some degree, we are involved in this destruction with our individual sin, that we have to repent and confess.

Usually, according to the wisdom of our civilisation, we wouldn't do this, and we are often recommended to do otherwise precisely in order to not become depressed.

However, let´s remember that Jesus opens up His heart to the suffering, without "professional distance". When he raised the widow's son at Nain, "his heart went out to the widow" (xv), and he touched the bier. When he raised Lazarus, he wept (xvi). And when he was at Gethsemane, he didn't run away or denied his existential fear, instead he was "overwhelmed with sorrow to the point of death“ (xvii) and endured it, praying. He, who didn't sin, took all the sin unto Himself. And He calls us to take our cross, and to follow Him.

Under secular circumstances, we would just fall into a deep black hole of "eco-depression" and collapse, if we really opened up our hearts to the unfolding catastrophe.

But when we bring it before God, unite our eco-depression with the passion of Christ, the stream of grace flowing from His wounds collapses our individualism not into nothingness, but Christ becomes our king, and His Holy Spirit enables us to repent.

I suspect, that our cages of obdurateness equal what we have to deny and repress in order to keep going. The more desperate and visible the crisis becomes, the more contumacious we get, until we break. This obdurateness forms a psychic object, separating us from God, creation, our neighbour and ourselves. Transubstantiation however changes also this object into the body of Christ.


When we receive the grace so that the extinction crisis really touches us in a way, that we somehow connect it with God, we cry to God from a depth of our soul, that we could hardly reach otherwise, under "normal" circumstances.

Then we shall know that He is the LORD, when he has gotten glory over us (xviii). He is the LORD, the Holy One of Israel (xix), „who has taken us and our fathers out of the land of Egypt, out of the prison-house“. (xx)

God answers our cry with His sanctifying grace, calling people to sainthood. And the presence of saintly people promotes sanctifying dynamics in others, thus bring about re-membering, re-formation. Facing horror could thus activate the church, which is now more or less in "standby mode", through some kind of spiritual chainreaction, that just pierces and obliterates our prisons of obdurateness.

With such a massive conversion event, a decisive trinitarian, eucharistic network, cooperating with all those of good will, would form.



Temporal effects


What would this effectuate in temporal ways? It would wipe away the isolated, commodified individualism of the "homo oec